Warum du dich nicht angenommen fühlst und wie du deine Hochsensibilität annehmen kannst

Diesen Beitrag widme ich dir, wenn du öfter das Gefühl hast „falsch“ zu sein, dich irgendwie anders als viele andere Menschen fühlst. Wenn du sogar dafür bekannt bist, irgendwie empfindlicher, sensibler, schneller gereizt, überfordert oder erschöpft von der Umwelt, von Sinneseindrücken oder anderen Menschen zu sein. Trifft da einiges auf dich zu? Dann wird dich dieser Beitrag interessieren! Hast du häufig das Gefühl, dass die anderen dich nicht verstehen, dass du allein oder getrennt bist? 

Ich kenne dieses Gefühl, anders und falsch zu sein. Eine lange Zeit glaubte ich daran, dass ich falsch bin. Irgendwo hatte ich auch Recht, denn ich stellte fest, dass ich im falschen Körper geboren war und durchlief daraufhin meine zweite Pubertät. Als ich endlich der Mann war, den ich tief in mir fühlte, fühlte ich mich zwar noch anders, aber nicht mehr falsch. Das Gefühl der Andersartigkeit beschäftigte mich trotzdem zu sehr, als das ich das ignorieren konnte. Ich zog mich aus der Gesellschaft zurück und brach soziale Kontakte ab. Ich isolierte mich und wurde einsam, weil ich mich nicht verstanden fühlte. 

Zufällig begegnete ich währenddessen in meinem Studium dem Thema der Hochsensibilität. Endlich bekam ich Antworten auf mein Gefühl des Andersseins. Was bedeutet es hochsensibel zu sein? Menschen mit Hochsensibilität haben eine tiefgründige Wahrnehmung und Verarbeitung von inneren und äußeren Informationen und Reizen. Ihr Filter durch den sie wahrnehmen, ist durchlässiger. Dadurch nehmen sie die Welt nicht nur umfassender, sondern auch eindrücklicher wahr. Mit größerer Intensität nehmen sie mehr Informationen aus ihrer Umwelt auf und erleben eine steigende Verarbeitung dieser Informationen. So wird mit diesen Informationen tiefer gearbeitet und stärker darauf reagiert. 

Eine amerikanische Psychologin namens Dr. Elaine Aron erforscht das Thema Hochsensibilität und fand heraus, dass hochsensible Menschen Gemeinsamkeiten aufweisen. 

  • Eine Tiefe, mit der Sinneseindrücke wahrgenommen und verarbeitet werden
  • Das schnelle Erreichen der persönlichen Reizschwelle basierend auf der Tiefe, mit der die Sinneseindrücke wahrgenommen und verarbeitet werden 
  • Schnelle, emotionale Berührbarkeit
  • Wahrnehmung von subtilen Reizen und Feinheiten 

Wie in allen Eigenschaften der Menschen unterscheidet sich auch Hochsensibilität von Mensch zu Mensch in seiner Quantität und Qualität. Es gibt nicht nur das eine Merkmal, sondern viele weisen eine Mischung aus verschiedenen Bereichen auf. 

Sensorisch:

Sinneseindrücke wie Geräusche, Geschmäcker, Gerüche, Farben, Lichter, so wie auch Berührungen werden intensiv wahrgenommen. Körperempfindungen werden oft sehr ausgeprägt und frühzeitig fein wahrgenommen.

Emotional:

Gefühle und Energien werden intensiver wahrgenommen und gefühlt. Sie wirken zum Teil lange nach. Störfelder oder Stimmungen aus der Umgebung werden schnell erfasst und können auch stark die eigene Stimmung beeinflussen.

Kognitiv:

Der Geist ist rege. Es wird viel gedacht. Auch in vielen Richtungen gleichzeitig. Die Erfassung von komplexen Zusammenhängen auf ihre Logik wird schnell erfasst. Der Blick fürs Detail ist besonders und für Feinheiten sensibel.

Viele hochsensible Menschen verurteilen sich für ihre Feinfühligkeit, und dass sie leicht reizbar bzw. schnell überlastet sind. Dabei ist ihre hohe Empfindlichkeit ein guter Grund sich mehr Zeit alleine zu schenken. Hochsensible Menschen brauchen viele Auszeiten und mehr Erholung als der durchschnittliche Mensch. Sie können im Vergleich zu ihren Kollegen und Freunden weniger Leistung erbringen, und sind weniger belastbar. Da der Wertemaßstab unserer heutigen Gesellschaft Leistung und Erfolg ist, fühlen sich hochsensible Menschen oft nicht wertvoll oder gut genug. Die Folgen können sein, dass sie sich selbst sehr kritisch sehen und einen zu hohen Leistungsanspruch haben, nur um sich dazugehörig und wertvoll zu fühlen. 

Erwähnenswert ist der Fakt, dass hochsensible Menschen durch ihr feines Gespür und ihre tiefere Wahrnehmung von Energien oft das Gefühl haben, nicht verstanden zu werden oder nicht in die Welt zu passen, was ihren Selbstwert zusätzlich angreift. Umso wichtiger ist es die eigenen Gedanken zu beobachten und jeden Zweifel anzuzweifeln. Sonst bleibt das Gefühl nicht richtig zu sein. Es fällt ihnen dann schwer, zu sich selbst zu stehen und sich für das, was ihnen am Herzen liegt, einzustehen. Die (unbewusste) Angst vor einer möglichen Ablehnung, die sie noch mehr von anderen entfernt, und ihnen noch mehr das Gefühl gibt, noch weniger dazuzugehören, lässt hochsensible Menschen, Rollen in der Gesellschaft übernehmen, die sie nicht sind. 

Diesen seelischen Schmerz konnte ich ab einem bestimmten Punkt nicht mehr ertragen, also zog ich mich zurück, um das unangenehme Fremdsein nicht fühlen zu müssen. Ich zog das Alleinsein der Gemeinschaft vor. Lieber war ich an stillen Orten von Tieren umgeben und dachte nach. Bis ich mich entschied meinen Weg radikal in meine Kraft, Selbstannahme, Selbstliebe und Selbstfürsorge zu gehen. Die Herausforderung für hochsensible Menschen ist, die eigenen Kräfte trotz der Schnelllebigkeit und lauten, überfluteten Reizen zu bewahren. Wer keine Rücksicht auf seine Feinfühligkeit nimmt, sondern dem Maßstab der Mehrheit hinterherrennt, gerät leichter in Überforderung, Stress und Überlastung, was auf Dauer seelisch wie körperlich krank machen kann. 

Das allerwichtigste ist die Hochsensibilität anzunehmen und als wertvollen Teil anzuerkennen. Mit dieser hohen Empfindsamkeit ist die Selbstfürsorge besonders wichtig und damit auch das „Nein“ sagen. Das bedeutet auch, dass hochsensible Menschen das Gespür für sich selbst trainieren müssen, um sich selbst besser achten zu können. Hier ist auch professionelle Unterstützung von außen sehr hilfreich, um sich nicht nur mental und körperlich abgrenzen zu können, sondern auch liebevoll anzunehmen wie man ist. Damit ein Leben gestaltet werden kann, das in Übereinstimmung mit den eigenen Wünschen steht. 

5 Anzeichen, dass du hochsensibel bist:

  • Laute Geräusche bereiten dir Unbehagen
  • Dir ist es wichtig dein Leben so zu organisieren, so dass du Situationen vermeidest, in denen du dich ärgern musst oder die dich überwältigen
  • Wenn du mit anderen Menschen konkurrieren musst oder beobachtet wirst, während du eine Aufgabe erfüllst, macht dich das so nervös und unsicher, dass du weitaus schlechter abschneidest, als du eigentlich könntest
  • Du bemerkst und genießt feine Düfte, Geschmäcker, Klänge oder Kunstwerke
  • Es bringt dich leicht aus der Fassung, wenn du in kurzer Zeit viel erledigen musst

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